Fischerei am Bodensee

Handwerk mit Herz, Netz und Geschichte

Die Fischerei gehört zu den ältesten Berufen am Bodensee – und das spürt man bis heute. Seit Jahrhunderten prägen Fischer mit ihren Booten, Netzen und Räucheröfen das Bild des Sees. Doch so romantisch das klingt: Berufsfischer sind inzwischen rar geworden.

Frühaufsteher sind sie alle. Je nach Jahreszeit legen die Fischer zwischen vier und sechs Uhr morgens ab, um Netze einzuholen oder neu auszulegen. Ein zweites Mal geht es oft am Abend hinaus auf den See. Dazwischen wird sortiert, geschlachtet, geräuchert, verkauft – Handarbeit pur, bei Wind und Wetter.

Und genau hier liegt das Problem: Fischerei allein reicht heute meist nicht mehr zum Leben. „Vom Fischfang allein kann kaum noch jemand existieren“, hört man etwa von Fischern auf der Insel Reichenau. Der Beruf gilt als akut vom Aussterben bedroht – besonders in der Schweiz fehlt es massiv an Nachwuchs. Die nüchterne Bilanz: Zwei hören auf, einer fängt neu an.

Viele Fischer am Untersee haben deshalb umgesattelt – zumindest teilweise. Sie betreiben kleine Fischläden, verkaufen ihren Fang direkt ab Boot oder Hof, bieten Catering, Räucherfisch auf Wochenmärkten oder arbeiten zusätzlich in der Landwirtschaft.

Gut zu wissen für Urlauber:

Frischer geht’s nicht: Wer morgens früh unterwegs ist, kann die Fischer beim Einlaufen beobachten – manchmal gibt’s fangfrischen Fisch direkt vor Ort.

Regional & saisonal essen: Felchen (Renke), Egli (Flussbarsch), Hecht oder Kretzer stehen je nach Jahreszeit auf dem Speiseplan.

Direkt kaufen lohnt sich: Fisch vom Bodenseefischer ist nachhaltig, regional und unterstützt ein uraltes Handwerk.

Nachfragen erlaubt: Viele Fischer erzählen gern von ihrem Alltag – ein kurzer Plausch gehört hier einfach dazu.

Wer am Bodensee Fisch isst, bekommt nicht nur Qualität auf dem Teller, sondern auch ein Stück lebendige Kulturgeschichte.

Bodenseefische, Laich & Regeln

Warum hier nichts dem Zufall überlassen wird

Damit im Bodensee auch morgen noch Felchen, Egli & Co. schwimmen, wird kräftig nachgeholfen – und zwar seit über 100 Jahren. Die Anliegerländer betreiben dafür eigene Fischbrutanstalten: in Langenargen, Nonnenhorn, Romanshorn und Ermatingen, im Landesfischereizentrum Vorarlberg (Hard), in der Fischzuchtanlage Rorschach sowie in einer privaten Brutanstalt des Angelsportvereins Konstanz. Hier werden Besatzfische für den Bodensee und seine Zuflüsse aufgezogen.

Laichfischfang – Hilfe beim Kinderkriegen

Schon seit 1920 unterstützen Fischer die Bodenseefische beim Laichen. Beim sogenannten Laichfischfang werden Eier und Milch gewonnen, die in den Brutanstalten ausgebrütet werden. Was früher eine Maßnahme war, ist heute selbstverständlich – und ein zentraler Baustein für stabile Fischbestände.

Manchmal fällt dabei sogar mehr Laich an, als gebraucht wird. Und der landet nicht im Abfall, sondern wird zu einer echten Rarität verarbeitet: Bodenseekaviar. Hoch geschätzt, streng limitiert, saisonal – und meist schneller weg, als man „Delikatesse“ sagen kann.

Tipp: Wenn ihr irgendwo „Bodenseekaviar“ auf der Karte seht: zugreifen. Das ist kein Marketing-Gag, sondern echtes Glück.

Einheitliche Regeln seit 1893

Die Fischerei im Bodensee ist seit 1893 international geregelt – durch ein Abkommen zwischen Deutschland, Österreich und der Schweiz. Klingt trocken, ist aber entscheidend für Nachhaltigkeit.

Die Regeln schreiben u. a. vor:

· Schonzeiten
· Mindestgrößen
· Maschenweiten
· Anzahl und Art der Fanggeräte

Ziel: Jungfische sollen erst einmal erwachsen werden, bevor sie im Netz landen.

Über allem wacht die Internationale Bevollmächtigtenkonferenz, die dafür sorgt, dass die Vorschriften überall einheitlich angewendet und regelmäßig angepasst werden.

Einige Beispiele:

· Felchen-Schwebenetze dürfen überall eingesetzt werden.
· Bodennetze für Kretzer und Großreusen im Flachwasser sind nur im badischen Bereich zwischen Immenstaad und Bodman erlaubt.
· Felchen-Fischerei-Pause: vom 1. April bis 15. Oktober an Samstag, Sonntag und Montag.
· Sonntag ist generell fischfrei – da haben die Bodenseefische offiziell ihren „freien Tag“.

Viele Regeln, ja – aber die Fischer tragen sie mit. Warum? Weil sie wissen: Ohne Regeln kein Fisch.

Sorgen der Fischer: Nährstoffe & Kormorane

Zwei Themen treiben die Fischer um:

Sinkender Phosphatgehalt: Zu sauberes Wasser klingt gut, bedeutet aber weniger Plankton – und damit weniger Nahrung für Felchen. Ein weiterer Rückgang könnte die Erträge deutlich senken.

Kormorane: Der wieder häufige Vogel frisst bis zu ein Kilo Fisch pro Tag. Für Fischer ein ernstzunehmendes Problem – ökologisch wie wirtschaftlich.

Diese Fische schwimmen im Bodensee

Besonders begehrt sind:

· Felchen (Blaufelchen, Sandfelchen, Gangfische u. a.)
· Flussbarsch (Egli, Kretzer)
· Weißfische wie Brachse sowie Forelle (Regenbogen- & Seeforelle), Aal, Hecht, Zander, Karpfen, Äsche, Schleie und Saibling.

Der Star: Bodensee-Felchen

Der Felchen ist der kulinarische Liebling des Sees: festes, weißes Fleisch, mild, fein, kaum Gräten. Er gehört zur Familie der Lachsfische, genau wie die Forelle.

Ursprünglich stammt der Felchen aus sibirischen Flusssystemen und Alpenseen. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde er gezielt im Bodensee angesiedelt – mit großem Erfolg. Heute zählt der Bodensee zu den wichtigsten Felchen-Gewässern Europas.

Tipp: Klassisch „Müllerin“, geräuchert oder pur mit Kartoffeln – weniger Schnickschnack, mehr Geschmack.

Vom See direkt auf den Teller

Nach dem Fang werden die Fische direkt verarbeitet: ausgenommen, filetiert oder traditionell im Buchenrauch geräuchert. Verkauft wird ohne Umwege – direkt an Privatkunden oder Restaurants.

Tipp: Wer beim Fischer kauft oder im Gasthaus gezielt nach Bodenseefisch fragt, bekommt Frische, kurze Wege und echtes Handwerk.

Unsere Empfehlung

Fischgenuss direkt am See

Auf der Nordseite der Insel Reichenau, unweit der Kirche St. Georg, liegt direkt am Ufer des Bodensees – hier Gnadensee genannt – die Fischhandlung von Stefan Riebel. 

Hier gibt’s fangfrische Bodenseefische in sehr guter Qualität und eine feine Auswahl an hausgemachten Fischdelikatessen: Fischpastete, Fischsülze, Maultaschen, Fischsalate, z.B. mit Rote Beete, Kaviarcrème – alles hausgemacht, nichts von der Stange.

Sommer, See & Fisch auf die Hand

In den Sommermonaten wartet direkt am See ein großer Imbiss-Stand mit Sitzplätzen – gönn Dir eine Pause mit Seeblick. Auf den Tisch kommen unter anderem:

· selbstgemachte Fischsuppe
· geräucherte Bodensee-Felchen
· knackige Fischbrötchen
· Dazu ein trockener Kerner von der Reichenau – bodenständig, ehrlich, passt perfekt.

Tipp: Sehr zu empfehlen ist der Räucherfisch direkt vom Imbiss – frischer bekommt man ihn kaum. Wer einmal probiert hat, versteht, warum sich hier schnell Schlangen bilden. Und für alle, die Fisch mit nach Hause nehmen wollen: Bodensee-Räucherfelchen und weitere Delikatessen lassen sich auch über die Website von Stefan Riebel online bestellen.

Stefan Riebel
Seestrasse 13
D-78479 Insel Reichenau
Telefon: +49 (0)7534-7663

Google Maps

www.reichenauer-fischhandlung.de

Bodenseefisch ist kein Massenprodukt, sondern das Ergebnis von Handwerk, internationalen Regeln und viel Erfahrung. Wer hier Fisch isst, isst mit Verantwortung – und mit verdammt gutem Geschmack. Wir wünschen Euch erholsame Ferien am Bodensee.

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